Brotzeit und Vesper: Von den Ursprüngen der Zwischenmahlzeit bis hin zu leckeren Rezeptideen

Brotzeit und Vesper – manchmal auch Abendbrot,Jause oder Fofftein genannt: Es gibt viele Namen und viele Möglichkeiten, wie du dein Brot so richtig schmackhaft machen kannst. Mit allem, was dazugehört. Nimm dir einfach ein bisschen Zeit für diesen Artikel – dann weißt du alles, was du über Vesper und Brotzeit wissen musst.

Brotzeit und Vesper: Die Ursprünge der Begriffe

Brotzeit und Vesper sind meist kalte Zwischenmahlzeiten aus unterschiedlichen Bestandteilen. Manchmal sind nur ein paar dabei, manchmal ganz viele. Aber im Kern gehört immer Brot dazu. Dazu gesellen sich dann Wurst und Käse in vielerlei Sorten, Aufstriche, kalte Beilagen – wie Gewürzgurken –, Salate und Gemüse. Klingt eigentlich ganz einfach? Ist es auch.

Die Brotzeit hat ihren Ursprung in Bayern, der bayerischen Heimatküche

Oder eher: in der bäuerlichen Kultur. Wer den ganzen Tag auf dem Feld schuftet oder auf Weiden das Vieh hütet, kann mittags nicht mal eben in die Küche gehen und etwas kochen. Und Kantinen gab es da draußen auch nicht. Also nahmen sich die Bauern und Hirten ihre Mahlzeiten mit zur Arbeit – sprich aufs Feld oder die Weide. Sie aßen mehrmals am Tag kalte Speisen, um Energie für ihre Arbeit zu bekommen. Und da Brot als sättigendes Grundnahrungsmittel immer dazugehörte, setzte sich der Name Brotzeit durch. Mit der Zeit entwickelte sich daraus die deutsche Brotzeit-Kultur – über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg. Heute steht der Begriff Brotzeit für eine (kalte) Zwischenmahlzeit am Nachmittag oder ein vollwertiges Abendbrot – und das weit über Bayerns Grenzen hinaus.

Das Vesper ist die traditionelle Zwischenmahlzeit in Schwaben

Das Wort Vesper (lateinisch „vespera“ = Abend) hat eigentlich einen religiösen Ursprung: Es bezeichnet das Abendgebet. Das daraus abgeleitete Wort Vesperbrot stand für das Abendbrot. Im Laufe der Zeit hat sich daraus der Begriff Vesper für Zwischenmahlzeiten entwickelt. Er ist vor allem im alemannischen Raum verbreitet und in Schwaben besonders beliebt. Kein Wunder: Ähnlich wie bei der Brotzeit haben auch die schwäbischen Bauern Brot mit Wurst und Käse (oder doch Wurst und Käse mit Brot?) als Zwischenmahlzeit verzehrt. So haben sie sich durch den Tag „gevespert“, wenn der Hunger rief.  Bis heute.

Die Zutaten und Beilagen haben sich im Laufe der Zeit ein bisschen geändert. Denn moderne und internationale Einflüsse haben die Brotzeit und das Vesper bereichert. Und so ist es bis heute fester Bestandteil der neuen Heimatküche.

Jause und Fofftein

Es gibt noch weitere Begriffe: In Österreich wird der Snack zwischen den Hauptmahlzeiten Jause genannt. Es gibt auch die Jausenzeit und sogar (man mag es kaum glauben) Jausenstationen. Dort machen vor allem Bergsportler wie Wanderer, Kletterer oder Mountainbiker halt, um Kraft zu tanken für den Auf- oder Abstieg.

Im Norden Deutschlands hat sich der Begriff Fofftein (auch Foffteihn) etabliert – er kommt aus dem Platt- bzw. Niederdeutschen. Auch die nordische Brotzeit geht auf die Arbeit zurück: Foffteihn bedeutet „Fünfzehn“ und meint die fünfzehnminütige Brotpause auf der Arbeit: „foffteihn maken“, übersetzt „fünfzehn machen“, bedeutet: Zeit für meinen Brotsnack!

Eins macht die Brotzeit ganz besonders aus: das Beisammensein und der Genuss des Moments.
Eins macht die Brotzeit ganz besonders aus: das Beisammensein und der Genuss des Moments.

Die bayerische Brotzeit

Wie sieht die klassisch bayerische Brotzeit aus? Die Brotzeit wird auf einer großen Holzplatte serviert und gerne in großer Runde verzehrt – so beispielsweise in bayerischen Biergärten. Traditionell mit einem Bier und heute mit dem, was man eben dazu trinken möchte.  Eine allgemeingültige Anleitung für die bayerische Brotzeit gibt es nicht. Es ist das Gesamtpaket, das die Brotzeit so köstlich macht.

Die bayerische Brotzeit besteht aus vielerlei Wurst- und Käsesorten. Am besten schön angerichtet, denn das Auge isst ja bekanntlich mit.

Fangen wir bei dem Fleisch an: Ein Klassiker sind die Leberwurst, die geräucherte Bratwurst und Schinken oder Speck. Wenn du magst, kannst du auch kalten Schweinebraten in dünnen Scheiben servieren – und dazu vielleicht etwas Meerrettich? Dazu Wurstsalat, Leberkäse oder Weißwurst – deine Platte gestaltest du ganz nach deinen Vorlieben! Nun zum Käse: Ein Klassiker der bayerischen Brotzeit ist der Obadzda (eine pikante Käsecreme aus reifem Camembert), der mit seinen würzig-deftigen Aromen auf keiner Holzplatte fehlen darf. Ergänzend dazu verwendest du weitere Käsesorten wie Gouda, Camembert oder Brie. Richte die Käsesorten passend zu den Fleischsorten an, sodass deine Holzplatte wie ein kleines Kunstwerk ausschaut. Jetzt dürfen die frischen Laugenbrezeln nicht fehlen – die sind in Bayern ein absolutes Must-Have. Lege auch Bauernbrot dazu, damit machst du auf jeden Fall nichts falsch. Hier eignet sich zum Beispiel Roggen- oder Sauerteigbrot. Dazu etwas Butter und Griebenschmalz zum Bestreichen der Brezeln und der Brote.

Vollende deine Brotplatte mit etwas Gemüse deiner Wahl. Wir empfehlen dir klein geschnittene Radieschen, Cornichons, frische Cherrytomaten und rote Paprika, Weintrauben und eingelegtes Gemüse zu verwenden. Etwas klein gehackter Schnittlauch als Deko über die Platte verteilt und fertig ist deine traditionelle bayerische Brotzeit.

Die schwäbische Vesperplatte: Was gehört dazu?

Bei einem schwäbischen Vesper erwartet dich ganz viel Wurst! Im Schwabenländle ist das Angebot an Wurstsorten riesig: Gelb-, Grieben-, Schinken-, Fleisch- und Schwarzwurst sowie Schwartenmagen, Peitschenstecken (auch Landjäger genannt), Presssack und geräucherter Schinken – und das ist nicht mal alles gewesen. Ein absolutes Must-have zum schwäbischen Vesper ist der Leberkäse oder „Leberkäs“, der mit Senf verzehrt wird. Und weil das noch nicht reicht, gibt es meistens noch Wurstsalat mit Zwiebeln und Essiggurken dazu.

Alles wird mit einem leckeren Brot gegessen: traditionell schwäbisches Weißbrot, das „Die Seele“ genannt wird und klassisch schwäbische Laugenbrezeln. Wie du wahrscheinlich schon gemerkt hast, ist das schwäbische Vesper traditionell eher fleischlastig. Aber Käse spielt genauso eine unverzichtbare Rolle beim Vesper: Der schwäbische Luckeleskäse (der nicht wirklich Käse ist) besteht aus Quark, Sahne und Schnittlauch. Ein bisschen Emmentaler, Romadur oder Backsteinkäse findest du auch beim schwäbischen Vesper.

Egal ob Brotzeit oder Vesperplatte: Gewürzgurken sind immer dabei

Ok, einfach Salatgurken gehen auch. Aber wir meinen etwas anderes – Gewürzgurken: Cornichons, Essiggurken, ganze Gurken, Gurkenscheiben und Gurkenstücke.

Egal ob zum Snacken, im Salat, zum Dippen, neben dem Brot oder auf dem Brot – Gurken sind traditionelle Bestandteile von Brotzeit und Vesper. Und Sie sind ein echter Genuss: Dein schwäbisches Vesper trifft den Senf nicht mehr nur beim Leberkäse, sondern auch bei den Senfgurken. Und wenn du mittags eine bayerische Brotzeit genießen möchtest, aber kein Bier möchtest, dann nimm einfach Bier-Gurken!

Gurken für deine Brotzeit

So bringst du mehr Frische in Brotzeit und Vesper

Tradition ist toll. Aber genauso schön ist es, wenn man traditionelle Brotzeit- oder Vesperideen mit frischen und ungewöhnlichen Einflüssen kombinieren kann. Warum also nicht die bayerische und schwäbische Kultur ein bisschen upgraden? Neben Butter und Griebenschmalz kannst du beispielsweise auch Hummus als Dip für dein Brot nutzen. Oder du erweiterst deine Brotzeit durch spanische Tapas. Lass deiner Fantasie freien Lauf. Mit der neuen Heimatküche haben wir weitere Ideen für dich, wie du deine Mahlzeit ordentlich aufpeppen kannst:

Vegetarische Brotzeit

Brotzeit gibt es nur mit Fleisch? Das war einmal. Gut so. Als Vegetarier kannst du dich auf jede Menge fleischlose Brotzeit-Extras freuen. Angefangen bei den Dips gestaltest du deine vegetarische Brotplatte beispielsweise mit leckerem Aioli, pikantem Hummus oder einem Joghurt-Minz-Dip. Auch Dip-Varianten mit Senf bereichern deine Brotzeit. Du kannst außerdem vegane Aufstriche aus wertvollen Hülsenfrüchten zubereiten.

Dazu eingelegte Oliven, getrocknete Tomaten, milde Peperoni, Jalapeños und Fetakäse. Ersetze Würstchen durch vegetarische Alternativen wie Seitan (Weizeneiweiß) oder (geräucherten) Tofu. Für das gewisse Etwas variierst du in den Aromen zu deiner Brotzeit mit kleineren Snacks. Dafür eignen sich eingelegte Mixed Pickles und eingelegte Gurken mit unterschiedlichem Geschmack: Es gibt sie in süßer, würziger, und scharfer Variante.

Süße und würzige Gurken

Deftiger Wurstsalat

Salat und Brotzeit

Zu Brotzeit und Vesper ist Salat der perfekte Match als knackig-frisches Pendant zum knusprigen Brot. Ein Salat muss nicht immer grün sein: Probiere klassischen Wurstsalat, schwäbischen Kartoffelsalat oder Nudelsalat-Variationen, wenn dir nach etwas Deftigem ist.

Mehr Salat Rezepte
 

Und wenn es schnell gehen soll, nimm einfachen Gurken- oder Tomatensalat. Du hast etwas mehr Zeit? Dann verwende KichererbsenBohnen und Weißkraut für tolle Salat-Kreationen.

Mehr Salat Rezepte

Diese Rezepte haben wir für dich vorbereitet:

Rote-Bete-Sandwich mit gratiniertem Feta

Brotzeit-Snack: Sandwiches

Du brauchst einen schnellen Snack, um deine Batterie aufzuladen? Diese Sandwiches sind genau das Richtige für den Hunger zwischendurch:

  1. Schwarzwälder-Schinken-Sandwich 
  2. Rote-Bete-Sandwich
  3. Thunfisch-Baguette 
Schwarzwälder-Schinken-Sandwich

Zutaten für eine ausgefallene Brotzeit

 

Baguette, Burger und Bagels

Jetzt trifft deine Brotzeit auf ganz neue Kreationen aus der neuen Heimatküche! Im knusprigen Baguette, als Burger-Variante oder doch ein belegter Bagel? Mit diesen Rezepten hebst du deine Brotzeit auf ein neues Level: 

  1. Thunfisch-Baguette
  2. Leberkäse-Burger
  3. Bunte Bagels

Du suchst noch mehr Ideen für deine Brotzeit? Hier findest du weitere Ideen für eine Brotzeit serviert auf einer Platte:

Brotsorten für deine Brotzeit

Die deutsche Brotsorten-Vielfalt ist riesig. Das deutsche Brotinstitut (ja, das gibt es wirklich) verzeichnet aktuell über 3.000 Brotsorten, die es in Deutschland zu kaufen gibt, Tendenz steigend. Die Deutschen lieben Brot und ihre Brotzeit. 3.000 Sorten, das ist eine ganze Menge. Hier zeigen wir dir die wichtigsten Brotsorten im Überblick.

Das Weizenbrot besteht mindestens zu 90 Prozent aus Weizenmehl. Durch den hohen Weizenmehlanteil hat es eine helle Farbe, weshalb es auch Weißbrot genannt wird. Das Toastbrot ist ein Weizenbrot, das mit mehr Zucker hergestellt wird. Das Weizenmischbrot ist, wie der Name bereits verrät, eine Mischung aus Weizen- und Roggenmehl – hier bewegt sich der Weizenanteil zwischen 50 und 90 Prozent. Im Allgemeinen gilt: Brote mit einem hohen Weizenanteil haben einen milden Geschmack. Der Vorteil: Sie lassen dem Brotbelag und Beilagen vornehm den Vortritt. Das macht sie übrigens auch perfekt für süßen Belag – falls dir nach deinem Vesper der Sinn nach Süßem steht. 

Das Roggenbrot ist besonders wegen seinen säuerlichen Aromen beliebt, die es dem Sauerteig zu verdanken hat. Die in dem Sauerteig enthaltenen Gase machen das Roggenbrot außerdem länger haltbar. Ein Roggenbrot besteht mindestens zu 90 Prozent aus Roggenmehl, ein Roggenmischbrot weist dagegen einen Roggenanteil zwischen 50 und 90 Prozent auf.

Für die Zubereitung eines Vollkornbrotes verwendet man Vollkornmehl. Es besteht aus Roggen oder Weizen und wird als volles Korn gemahlen – dadurch bleiben die wichtigen Mineralstoffe des Getreides enthalten. Deswegen ist das Vollkornbrot besonders reich an Nährstoffen.

Pumpernickel ist ein Vollkornbrot, das man manchmal auch „Schwarzbrot“ nennt. Mithilfe einer Schrotmühle wird das Vollkorn samt Schale gemahlen. Die lange Backzeit des Brotes lässt den im Getreide enthaltenen Zucker karamellisieren. Dadurch bekommt der Pumpernickel seine dunkelbraune bis schwarze Farbe. Wir empfehlen, den Pumpernickel mit etwas Frischkäse, grob gehackten Radieschen und etwas Schnittlauch zu genießen.

Brotzeit worldwide – die Brotzeit und das Vesper in anderen Kulturen

In keiner anderen Küche ist die Brotkultur so ausgeprägt wie in Deutschland. So ist es nicht verwunderlich, dass im Jahre 2014 das deutsche Brot und seine Sortenvielfalt durch die UNESCO verzeichnet und geehrt wurde. Doch ist die Brotzeit wirklich nur ein deutsches Phänomen? Nein. Denn das Servieren einer Platte mit unterschiedlichen Leckereien ist auch in anderen Regionen gängig.

Dänemark: Smørrebrød

Dort findest du das „Smørrebrød“, das der deutschen Brotzeit sehr ähnlich, aber fischlastiger ist und mit Pumpernickel serviert wird – das Prinzip der kalten Zwischenmahlzeit ist jedoch dasselbe. Ein besonders beliebtes Smørrebrød ist ein belegtes Brot mit Mayonnaise, Kartoffeln und Cornichons. 

Mittelmeerraum: Antipasti und Tapas

Der italienische Antipasti-Teller ist dir bestimmt auch nicht fremd: viel getrockneter Schinken, Oliven, Dips, Brotsticks (italienisch Grissini) und ein paar Brotscheiben mit einem Glas Wein dazu. Meistens wird der Antipasti-Teller am Abend als Snack serviert. Ähnlich verhält es sich mit der französischen Käseplatte, die aus zig unterschiedlichen Käsesorten zusammengestellt wird und meistens als Abschluss einer großen Abendmahlzeit verzehrt wird. Bestimmt sind dir spanische Tapas auch bekannt: Vielerlei warme und kalte Speisen in kleinen Tonschälchen werden auf einer großen Platte serviert und zu einem spanischen Wein verzehrt. Die Liste der Tapas-Varianten ist lang und für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Orientalisch: Mezze

Die sogenannte „Mezze“ besteht aus kalten vegetarischen Speisen, die traditionellerweise als Vorspeise angerichtet werden. Auf einer Mezze-Platte findest du Dips wie Hummusund Baba Ghanoush, ein Püree aus gegrillten Auberginen. In der Türkei findest du außerdem einen Joghurt-Dip names Haydari auf deinem Mezze-Teller. Dazu werden Falafel, gefüllte Weinblätter und Salate wie Tabouleh oder ein Olivensalat serviert. Je nach Region sieht dein Mezze-Teller anders aus, mal libanesisch, mal syrisch oder türkisch angehaucht. Eins findest du jedoch immer neben deiner Mezze: das dünne Fladenbrot zum Dippen.

Die Brotzeit ist deine Zeit – weitere Rezepte für deinen Brotsnack findest du hier:

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